Büchertour: Nadja Losbohm - Vampire

2. November 2019



Über die Herkunft des Wortes „Vampir“ in Europa herrscht Uneinigkeit. Sicher bekannt ist nur, dass der ungarische und polnische Begriff „Vampir“ seit 1732 in der internationalen Literatur dominiert. Ursprünglich kam das Wort aus dem slawischen Sprachgebrauch und hat sich dann auch international verbreitet. Einzig wurde es in vielen Ländern in ihre Sprache umgeändert wie zum Beispiel in Italien, Spanien und Portugal „vampiro“ und in Dänemark und Schweden „vampyr“.
Im bulgarischen Sprachgebrauch spricht man von „vapir“, was auf Deutsch übersetzt „geflügeltes Wesen“ heißt. In Ländern wie Südrussland, Böhmen, Montenegro und Teilen Serbiens werden Vampirwesena uch „wukodalak“ „vurkulaka“ oder „vrykolaka“ genannt, was so viel wie „wolfhaarig bedeutet.

Bei den vielen unterschiedlichen Bezeichnungen kann man zumindest sagen, dass die aller erste Bezeichnung hiefür der Upir im Jahr 1047 n. Chr. War, was den Fürsten Upir Lichyi in der Umgebung von Nowgorod im Nordwesten von Grußrussland bezeichnet. Außerdem befinden sich in Westrussland Orte die Upiry und Upirow heißen und deren Bewohner sich damit brüsten, von Vampiren abzustammen. Na? Gibt ja doch noch Leute, die gerne von Vampiren abstammen.


Natürlich ranken sich sehr viele Myhten über Vampire. Um nur ein paar davon aufzugreifen:

Ethnologen sind sich weitgehend einig, dass die Vorlagen für den in Europa bekannt gewordenen Vampirglauben ursprünglich im südosteuropäischen Raum entstanden. Lediglich in der genauen Lokalisierung sind die Forschungsergebnisse uneinheitlich. Einige Quellen verorten den Ursprung des Vampirglaubens in Bulgarien und Serbien, andere gehen von der Türkei aus.
Der Vampirglaube ist im Karpatenraum und Balkan verbreitet, in Rumänien (Transsilvanien), Ungarn, im östlichen Österreich, Bulgarien, Albanien, Serbien und in Griechenland. Nach sozialanthropologischem Verständnis ist es ein Phänomen, bei dem für die Schädigung Einzelner oder der Dorfgemeinschaft durch Krankheiten, Missernten oder Ähnliches ein Verantwortlicher gesucht wird. Das „Blutsaugen“ der Vampire gehört nicht zu den im Volksglauben in erster Linie überlieferten Elementen, wichtiger ist das Verlassen des Grabes, das von der Dorfgemeinschaft untersucht werden musste. Fand sich im verdächtigen Grab ein nicht verwester Leichnam, so wurde dieser auf verschiedene Weise nochmals getötet und dann verbrannt, was auch in den meisten Filmen heute noch das Ende eines Vampirs darstellt. Die im christlich-orthodoxen Glauben in Südosteuropa relativ große Distanz von Priestern bei dem Sterbevorgang und das Fehlen eines Sterbesakraments können dabei als Begünstigung einer Verwischung der Grenze zwischen Lebenden und Toten gesehen werden.

 
Eine weitere Variation des Vampirglaubens ist im alten rumänischen und im albanischen Volksglauben zu finden; der Strigoi. Das Wort ist lateinischen Ursprungs, wo strix so viel wie „Hexe“ bedeutet. Strigoi sind im Gegensatz zu Upir und den griechischen Vampiren, den Wrukolakas, ausschließlich menschliche und nicht dämonische Seelen, die von den Toten zurückgekehrt sind. Strigoi werden außerdem noch in zwei Kategorien aufgeteilt: in strigoi morți und strigoi vii. Erstere sind Untote, Letztere sind bereits zu Lebzeiten verfluchte Menschen, die nach ihrem Tod erst zu Strigoi werden müssen. Dies geschieht durch Abstammung von einem strigoi mort oder, seltener, durch schwere begangene Sünden der Mutter. Als Zeichen für einen solchen Fluch werden anatomische Abweichungen gedeutet, wie etwa schwanzähnliche Rückgratfortsätze oder am Kopf angewachsene Teile der Fruchtblase, die im rumänischen Volksmund caul genannt werden.
Strigoi besuchen dem Glauben nach Verwandte des Toten und wollen sie teilweise zu ihnen mitnehmen. Um eine Grenze zwischen dem Reich der Toten und der Lebenden zu errichten, werden bei Beerdigungen Spindeln mit Garn um das Grab gesteckt und angezündet. Oft werden Seife, Rasierer und Spiegel als Grabbeigaben ins Grab gelegt, damit der Tote keinen Grund hat, wieder in das Reich der Lebenden zu kommen und als Strigoi aufzutreten. Dieser Glaube ist in Rumänien und in den östlichen Ländern (Europas) weit verbreitet. Teilweise wird Toten ein glühendes Eisen in das Herz gerammt. Das soll verhindern, dass der Tote zum Strigoi wird. In seltenen Fällen suchen Strigoi die Verwandten auf, um sie erkranken zu lassen oder zu töten.

1 Kommentar:

  1. Hallo und guten Tag,

    also ich dachte ..Vampire ist Vampire und gut es ist. Aber der heutige Beitrag hat mich eines, besseren belehrt.

    Besonders interessante das fehlende Beerdigungsrituale an bestimmten Aktionen der Menschen/Dorfgemeinschaft schuld sein sollen/sind, wie sie mit ihren Toten umgingen....

    LG..Karin..

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